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Berliner Kunstszene im Portrait: Das Interview mit Urban Artist Catherine Lupis Thomas


„Wow, so möchte ich leben, ich möchte ein Teil hiervon sein.“ Es gibt diese Momente, in denen man spürt: Ich habe keine andere Wahl, ich muss diesen alles entscheidenden Mut aufbringen und genau diesen Weg gehen – auch, wenn er die absolute Kehrtwende im eigenen Leben bedeutet. So, wie Pariser Urban-Art-Künstlerin Catherine Lupis Thomas, die schließlich in Berlin den Ort gefunden hat, um das volle Potential ihrer Kreativität zu entfalten.

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Vom Leben inspiriert

Sie ist wie ihre Kunst: außergewöhnlich, unangepasst – unverkennbar ein Berliner Original. Catherine schießt Fotos und ergänzt sie anschließend durch surreale Fantasievorstellungen. Dafür nutzt sie eine spezielle Technik, die Arrachage. In Berlins Straßen sammelt sie Fetzen und Stücke von Plakaten, Postern und Paste Ups und setzt sie collagenartig neu zusammen. Außerdem immer mit dabei: Humor. Wir treffen Catherine in einer leerstehenden Halle am Rande Kreuzbergs – hier zeigt sie uns ihre jüngsten Werke, die sie erst kurz zuvor arrangiert hat.

Warum hast du angefangen?

Ich glaube ich habe angefangen, weil ich Zeit zum Nachdenken hatte. Ich hatte gerade mein zweites Kind bekommen und war zuhause und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich darüber nachdenken, was ich machen wollte und dann ist es einfach passiert. Ich hatte auf einmal die Zeit, Galerien zu besuchen und entdeckte verschiedene Künstler. Dann habe ich Villeglé entdeckt und das war es. Ich wollte Künstlerin werden. Ich war 40 Jahre alt und hatte keine künstlerische Ausbildung, aber ich fühlte, dass es Zeit für mich war, etwas zu sagen, etwas mit Papierstücken zu erzählen. Als ich Villeglés Arbeit sah, dachte ich, dass es möglich sei. Ich dachte mir einfach: „Du kannst Künstlerin sein und etwas ausdrücken, auch wenn du keine Ausbildung hast.“

Warum machst du weiter?

Weil ich keine andere Wahl habe, denke ich. Ich öffne meine Augen und sehe Dinge und sie inspirieren mich und ich erschaffe nicht, weil ich muss, ich erschaffe, weil ich vom Leben inspiriert bin. Von Orten wie diesen, von Wänden wie diesen, von Böden wie diesen, von Imperfektion. Sieh es dir an, es ist wundervoll. Du sitzt einfach da und schaust und kreierst. Es ist wie, es ist wie atmen, verstehst du? Es ist die Art, wie ich das Leben lebe.

Warum Berlin?

Das erste Mal bin ich mit meiner Familie, mit meinem Sohn und meinem Ehemann, nach Berlin gekommen. Wir sind mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren und herumgelaufen, die Sonne hat geschienen und es war frei, ich habe es gespürt. Ich habe seit langem wieder die Freiheit in der Luft gespürt und ich habe mir nur gedacht: „Wow, so möchte ich leben!” Ein bisschen wie ich damals dachte: „Wow, ich möchte Künstlerin werden, weil ich Villeglé gesehen habe.” Als ich Berlin sah, als ich hergekommen bin und Berlin gespürt habe, dachte ich: „Wow, ich möchte Teil hiervon sein.“ Damals hatte ich aber noch einen Laden in Montmartre, war Mutter eines kleinen Kindes und hatte eine Familie und einen Haushalt zu führen. Da war kein Weg dieses Leben zu leben und ich kam zu dem Schluss, dass es zu spät für mich sei. Ein paar Jahre später dann habe ich es durch einen Zufall, einen Hauch von Glück, doch noch geschafft aus diesem Leben zu fliehen und es gab keinen anderen Ort, an den ich fliehen wollte, außer Berlin. Ich musste die Chance nutzen und es war Berlin, weil es sich wie der richtige Ort angefühlt hat und es ist der richtige Ort für mich, weil ich ihn fühle. Ich fühle die Menschen, die Wände, die Straßen und all das macht mich glücklich und kreativ.

Catherine Lupis Thomas

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Warum siehst du die Welt anders als andere?

Es ist sehr prätentiös zu sagen, dass man das Leben anders sieht als andere. Ich sehe Dinge einfach auf meine Art, vielleicht sehen manche Menschen auf die gleiche Art wie ich, ich weiß es nicht. Ich bin aufmerksam zu Dingen, die mich interessieren. Ich bin aufmerksam gegenüber diesem Boden, ich achte auf kleine Details, auf die andere Menschen vielleicht nicht achten, weil es nicht interessant für sie ist, für mich aber schon. Menschen finden Gefallen an Dingen, die sie sehen. Wir alle haben einen anderen Blick auf das Leben und ich finde es schön, dass wir nicht alle das Gleiche sehen. Ich habe einen Blick und du hast einen Blick, du kannst Dinge sehen, die ich nicht sehe. Wir all sehen andere Dinge zur gleichen Zeit. Wenn wir gemeinsam hier sind, schaust du auf einen Gegenstand und ich auf einen anderen. Es geht einfach um die Sensitivität, die Sensibilität, die steckt auch in dir.

Warum ist deine Arbeit einzigartig?

Es steckt in einem. Was man erlebt hat, die persönlichen Bezüge, die Art, wie man durchs Leben geht und die Menschen, die man getroffen hat. Ich glaube das ist es. Es ist die Person in einem, die einen sehen lässt, was man sieht. Ich habe keine Erklärung dafür. Manchmal sehe ich mir Werke von Künstlern an und denke mir: „Warum kann ich nicht so etwas schaffen wie das?“ Ich denke aber nicht, dass es nicht gut ist, verglichen mit anderen Künstlern. Es ist anders. Es ist ein einzigartiges Stück, weil der Künstler einzigartig ist. Wir sind aus unzähligen unterschiedlichen Parametern geschaffen. Wir können zwar von jemandem wie zum Beispiel Michelangelo oder Dalí oder Dechamps beeinflusst werden, aber man wird niemals wie sie sein, weil sie nicht genau so gelebt haben wie man selbst. Sie haben nicht gesehen, was man gesehen hat, sie haben nicht gegessen, was man gegessen hat, sie haben ein komplett anderes Leben mit all den zugehörigen Parametern gelebt. Jeder von uns ist einzigartig und alles hat einen Einfluss darauf, was man erschafft. Die Bedeutung eines Künstlers entsteht aus der Reflexion seines Selbst und das ist natürlich einzigartig.

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