HOLZRICHTER Ratgeber: Welche Lederarten gibt es? (kurz & knapp) 12.07.2017

HOLZRICHTER Ratgeber: Welche Lederarten gibt es? (kurz & knapp)

"Rauleder", "Rindleder", "Spaltleder", eine schier endlose Vielzahl an Fachbegriffen informiert uns über die vermeintliche Qualität von Ledertaschen, Schuhen und Accessoires. Nur die wenigsten von uns behalten hier noch den Durchblick, höchste Zeit also für einen kurzen Ratgeber!

Die Gerbung

Seit Jahrhunderten ist das Naturprodukt Leder für den Menschen ein unverzichtbares Material, das zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet werden kann. Dabei reichen die Einsatzmöglichkeiten von Möbeln und Autositzen bis zu Taschen und Accessoires. Die Vorteile von letzterem liegen bei einer langen Lebensdauer des robusten Stoffes. Leder kann auf unterschiedliche Weise verarbeitet werden, mit dem Ziel, es zu stabilisieren und haltbar bzw. tragbar zu machen. Dieser Prozess wird Gerbung genannt.

Lederarten Schuhe

Pflanzliche (vegetabile) Verfahren

Die pflanzliche (oder auch vegetabile Gerbung) hat eine lange Tradition. Zur Bearbeitung der Tierhäute werden natürliche Stoffe wie Rindenhölzer, Tara-Schoten, Olivenblättern oder Rhabarberwurzeln verwendet. Die pflanzliche Gerbung ist zeitintensiver und benötigt ein hohes Maß an Expertise. Im Gegensatz zu natürlichen Verfahren können chemische Varianten in nur wenigen Stunden eine Tierhaut in ein ansehnliches Leder verwandeln - meist hochautomatisiert. Hierbei wird das Leder mit Hilfe von Chrom- einer Chemikalie verarbeitet Bei der Produktion werden jedoch häufig schädliche Giftstoffe freigesetzt, die nicht nur umweltschädlich sind, sondern auch zu Hautirritationen führen können. HOLZRICHTER Leder entsteht in einem pflanzlichen Gerbungsverfahren aus Häuten des Rinds, Büffels oder der Ziege. Die Auswahl beschränkt sich dabei ausschließlich auf Nutztiere, welche zur Fleischgewinnung gezüchtet wurden. Warum sich Naturleder hervorragend als Täschnerleder eignet, haben wir im Artikel "Besseres Leder, mehr erleben! Die Vorteile einer Tasche aus Naturleder im Überblick" (>>) bereits zusammengefasst. Durch die schonenden Prozesse ist Naturleder besonders lange haltbar, riecht, wie hochwertiges Leder riechen sollte und trägt ein tiefes, facettenreiches Farbprofil.

Weekender aus Leder

Foto: Weekender No 8-2 aus Rindsleder

Rindsleder

Das mit am häufigsten verarbeitete Leder in der Herstellung von Ledertaschen stammt aus den Häuten von Rindern. Trotz massiger Struktur bleibt es stets biegsam und gilt durch seine Beschaffenheit als vielfältig einsetzbar. Die glatte Oberfläche weist minimale Haarlöcher auf. In der Struktur großporiger ist das ebenso weit verbreitete Büffelleder. Rindsleder eignet sich mit seinem robusten Auftritt und einer spürbaren Stärke in unseren Augen besonders gut als Material für Reisetaschen. Eine Weekender Reisetasche aus Rindsleder lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sie die Strapazen einer Flug-, Auto- oder Zugreise auch noch in vielen Jahren problemlos überstehen wird.

HOLZRICHTER Berlin Umhängetasche in Schwarz

Foto: Umhängetasche Studio (M) aus Ziegenleder

Ziegenleder

Glatt, weich und geschmeidig kennzeichnet das aus der Haut von Ziegen gewonnene Leder. Das feine Narbenbild ist ein­zigartig. Ziegenleder gilt als äußerst strapazierfähig und eignet sich in Kombination mit einem relativ geringem Eigengewicht ideal für den alltäglichen Gebrauch. Ob als Aktentasche für’s Büro oder als Messenger Bag in der Freizeit, bieten Taschen aus Ziegenleder einen besonders angenehmen Tragekomfort.

HOLZRICHTER Berlin Qualitätsleder

Foto: Unbehandeltes Naturleder

Die unterschiedlichen Hautschichten

Egal um welches Produkt es sich handelt, es muss den besonderen Anforderungen des Reisens uneingeschränkt standhalten. Gerade die Stärke der Haut kann Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit des Materials haben. Je nach Tierart unterscheidet sich das Organ und besteht aus ein bis drei Hautschichten. Bei der Verarbeitung von Leder können diese gespalten werden. Dabei unterscheidet man zwischen dem Narbenspalt, Kernspalt und Fleischspalt. Der Narbenspalt bezeichnet die Seite, die zu den Haaren gerichtet ist. Die mittlere Schicht nennt man Kernspalt und der Fleischspalt umfasst die untere, zum Fleisch gerichtete Seite. Die dünnste Lederhaut eines Lamms zum Beispiel umfasst nur 0,5 mm, wohingegen die Haut eines Rindes bis zu 4,5 mm stark ist. Die Entscheidung darüber welche Haut verwendet wird, hängt von der Art und dem Gebrauch des späteren Produktes ab. Unterschiedlichste Methoden verschiedener Hersteller bei der Lederproduktion können es heutzutage schwer machen, Lederarten eindeutig zu bestimmen. Sie bieten ein Spektrum an Merkmalen, die je nach Produkt von Vorteil sind.

Großes Herren Portemonnaie in Braun

Foto: Herren Geldbörse aus Rindsleder

Unterschiede zwischen Rau- und Glattleder

Nach der Bestimmung der Gerbart , den unterschiedlichen Tierhäuten und Hautschichten, gibt es noch eine weitere Unterscheidung von Lederarten: die zwischen Rau- und Glattleder. Glattleder bezeichnet die Lederarten, deren Narbenseite nach außen verarbeitet ist, die jedoch nicht zwingend glatt sein muss. Als Naturprodukt besitzt die Oberfläche ein individuelles und facettenreiches Hautprofil. Oberflächenpigmentiertes Glattleder, mit einer wasserabweisenden Farb- und Schutzschicht auf der Oberfläche wird gedecktes Glattleder bzw. zugerichtetes Leder genannt. Das Material ist weniger anfällig für Flecken und Verschmutzungen. Als Rauleder bezeichnet man in der Oberfläche geschliffene Leder mit einer mehr oder weniger samtigen Oberfläche. Die Vorteile sind ein angenehm warmer Griff und eine schöne Struktur.

WEITERE LEDERARTEN KURZ ERKLÄRT

Anilinleder trägt die Bezeichnung von offenporigem Glattleder, ohne eine Abdeckung durch Deck- oder Pigmentbeschichtungen (Zurichtung). Dieses Leder ist mit Anilinstoffen gefärbt und weist damit so gut wie keinen Oberflächenschutz auf. Dennoch bleibt natürliche Maserung erkennbar. Die durchgefärbte Oberfläche bleibt sichtbar, somit sollte das Material makellos aussehen und nicht durch frühere Einflüsse des Tieres gekennzeichnet sein. Diese Kriterien machen Anilinleder teuer und wertvoll. Das Semianilinleder wird nur leicht pigmentiert, um die natürliche Maserung des Materials nicht zu verdecken. Die Farb- und Schutzschicht macht es etwas robuster als richtiges Anilinleder. Dennoch wird das Leder durch diese Prozedur nur leicht geschützt. Bei Rauleder handelt es sich um eine Lederart mit einer aufgerauten Struktur. Das Material ist offenporig und atmungsaktiv, jedoch wird es durch diese Optik wesentlich anfälliger für unterschiedlichste Umwelteinflüsse. Je nach Verarbeitung des offenporigen Materials verwendet man den Narbenspalt bzw. Fleischspalt. Als Nubukleder wird die narbenseitige Schicht bezeichnet. Die Fläche, die in den meisten Fällen mit Haaren bedeckt ist, erhält ihre griffige Struktur, indem die Oberfläche geschliffen wird. Sowohl die Fleischseite, als auch die unbeschichtete Rückseite eines ganzen Stück Leders wird als Veloursleder bezeichnet.

QUALITÄT ERKENNEN

Es gibt viel, das man über Leder lernen kann. Die Lederart ist zweifellos ein guter Indikator um mehr über die Qualität einer Ledertasche zu erfahren, noch bessere Hinweise geben jedoch unsere Sinne (insb. Sehen, Fühlen, Riechen). Sie haben zu lange kein hochwertiges Leder mehr in der Hand gehabt? Wie wäre es mit einer neuen Ledertasche?

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