Wie HOLZRICHTER zu seinem Namen kam 22.10.2015

Wie HOLZRICHTER zu seinem Namen kam

Es waren die letzten Wochen seines Auslandsstudium in den Niederlanden als sich Alexander, der Gründer von HOLZRICHTER, erstmals intensiver mit dem Material Leder ausseinandersetzte. In einer Zeitschrift las er über die allgegenwärtigen Produktionsbedingungen der Modeindustrie und die massiven Umwelt- und Gesundheitsschäden, welche Gerbereien in den Entwicklungsländern täglich verursachen, um moderne Industriestaaten wie Deutschland mit vermeintlich hochwertigen "Genuine Leather"-Produkten zu versorgen. Die Zeiten, in denen allein das Siegel "Echtes Leder" ein besonders exklusives Accessoire auszeichneten, wären schon lange passé, so die Botschaft.

Zurück in Deutschland (und die beklemmenden Erkenntnisse schon wieder nahezu verdrängt), berichtete Alexander auch seinem Großvater von seinen Erlebnissen in Amsterdam und dem klassischen Chic der dortigen Modekultur. In Erinnerungen schwelgend entgegnete der Großvater mit Anekdoten eigener Abenteuer und präsentierte dabei stolz einen ledernen Koffer, der ihn dabei stets begleitete. Es war beeindruckend – obwohl dieses Werk eines Täschners bereits über Jahrzehnte im Auftrag der Reise seinen Dienst getan hatte, war immernoch jeder Reißverschluss intakt und die schnörkellose Machart hätte moderner nicht sein können. Was es wohl kosten würde, ein ähnliches Produkt heutzutage anfertigen zu lassen? "Vermutlich ein kleines Vermögen".

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Angetan von der Idee es zu versuchen, entstand ein erster Entwurf. Aus dem besten, pflanzlich gegerbten Leder sollte die Tasche sein, auch wenn dessen Herstellung deutlich aufwändiger und damit in der Regel teurer ist, als bei chemischen Verfahren. Dazu in einem klassischen Design und natürlich nur mit hochwertigen Komponenten ausgestattet, schließlich muss eine Reisetasche besonderen Belastungen gewachsen sein. Die Suche nach einem geeigneten Täschner entwickelte sich zäh. Die Preise waren in den meisten Fällen unerschwinglich. Dazu kam, dass nur noch relativ wenige Gerbereien das traditionelle Handwerk der vegetabilen Lederfertigung beherrschen. Insbesondere einige italienische Traditionsbetriebe folgen noch dieser Praxis im Auftrag internationaler Luxusmarken. Aber auch in einigen Entwicklungsländern, wie z. B. Marokko oder Indien, sind natürliche Gerbverfahren kulturell verwurzelt. Das dort unter teilweise zweifelhaften Methoden gewonnene Material bietet häufig jedoch leider keine besonders hochklassigen Ergebnisse, was sich vor allem durch einen eigentümlichen Geruch oder die Haptik des Leders bemerkbar macht.

Erst nach etwa zwei Jahren ergab sich über einen deutschen Fairtrade Betrieb der Kontakt zu einer indischen Manufaktur, welche mit ihrer modernen Infrastruktur nicht nur in der Lage war, die hochwertigsten Leder der Welt ohne den Einsatz schädlicher Chemikalien zu produzieren, sondern darüberhinaus hohe ökologische und soziale Standards über den gesamten Fertigungsprozess des Produktes garantiert (z. B. Arbeits- und Umweltschutzmaßnahmen sowie die soziale Absicherung von Mitarbeitern). In einer Kleinauflage folgte der erste Weekender aus Camel-farbigen Büffelleder und legte den Grundstein der Kollektion. Doch welchen Namen sollte eine nach dem Vorbild altbewährter Prinzipien geschaffene Tasche tragen, die sich nicht zuletzt durch ihre unberirrbare Solidität auszeichnet? Die Frage war schnell beantwort. Verkörperte doch niemand anderes die Vorstellungen eines besonnenen Handwerkers besser als Ernst Holzrichter, der mit seinen schaufelgroßen Händen für seine Enkel sogar Holzhäuser in Bäume baute, die genauso wind- und wetterfest waren, wie der lederne Reisekoffer aus seinen Erzählungen.